MORITZ GAGERN
MORITZ GAGERN

Enkidu
“Ein Ort, wo Menschen nichts verloren haben.
Dieser Anzug ist so falsch.
Meine Arme, ich spüre sie kaum noch.
Sie werden immer kraftloser.
Dies Leben hier macht mich langsam weich.
Unsere Tage sind gezählt und ich habe mir noch immer keinen Namen gemacht.
Was immer ich unternehme, es ist nichts als Wind.
Darum will ich jetzt bis zur Grenze vordringen.”
Ninsun
“Sie kommen zu mir und reden von Heldentaten,
doch es ist nur gebaren - Ausflüchte, nicht mehr.
Es macht mich traurig sie so zu sehen, erpicht, ein Mann zu sein,
als hinge dies bloß vom Schlagarm ab.
Aber das tut’s wohl.
Warum hast du meinen Sohn mit einem so unruhigen Geist geschlagen?
Die jungen Männer sind mit ihren Nerven am Ende.”

GILGAMASH-PERFORMANCE KAVATA MBITI
GILGAMASH-PERFORMANCE KAVATA MBITI


Die Geschichte von Gilgamesh ist die älteste Geschichte, die die Menschen überliefert haben. Es ist die Geschichte vom König Gilgamesh von der Stadt Uruk im Zweistromland in Mesopotamien. Dieses Gebiet liegt im heutigen Syrien und Irak. Dort war es 4000 v.Chr durch das günstige Klima möglich geworden, wilde Getreidesorten zu ernten, weswegen sich die Menschen dort ansiedelten.
Gilgamesh trägt mit seiner Stadtmauer und seinem Führungsstil einen wichtigen Schritt zur Verstädterung der Gesellschaften und zur Findung der Schriftform bei. Gilgamesh überwindet die Topographie der Wüste, er organisiert einen Karawanenzug, entdeckt handelswichtige Oasen in der Wüste und bringt die Gruppe zielstrebig zum Rande der derzeitigen Zivilisation. Dort sind große Wälder, die er aus wirtschaftlichen Gründen für seine Stadt abholzen will. Dazu bringt er das dort herrschende Ungeheur Humbaba hinterhälig um. Der Einsatz von damalig modernster Technik, um die Umgebung urbar zu machen und die imperialen Interessen, die Landschaften zu vereinnahmen, schützen Gilgamesh nicht davor, sich den Fragen von Freundschaft und Sterblichkeit zu stellen.
Das Epos handelt von sehr heutigen Problemen; von Freundschaft, von Machtkämpfen, von Ausbeutung und Unterdrückung und von der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Das Terretorium des Iraks und Syriens spielen heute wieder geopolitisch eine wichtige Rolle in der globalen Welt. Dabei haben sich die Technologien der Kommunikation und des Krieges weiterentwickelt; die Not und das Leid der Menschen bleibt allerdings zeitlos! Wir nehmen die Geschichte des Gilgamesh mit seinen archaischen zeitlosen Themen zum Anlass, um künstlerische Positionen zu heutigen Fragen zu finden.
Heute heisst kein König mehr Gilgamesh, heute heisst ein Drohnenprogramm der NSA Gilgamesh! Und die Kulturdenkmäler des historischen Gilgamesh werden aktuell vom IS zerstört. Wir stoßen auf die 5000 Jahre alten Geschichten an mehreren Punkten in der aktuellen weltpolitischen Gemengelage. 
Das Medium schlägt zurück; das Steinzeitmesser auf den Steinzeitmenschen und das Word Wide Web auf den digital vernetzten Menschen von heute. Diese Abhängigkeit zu erkennen eröffnet eine Gesellschaftskritik, die unser System grundsätzlich hinterfragt.